Studien-Einblick

Mit der Jubiläumsausgabe des HPP-Mobilitätsanbieter-Rankings im Jahr 2025 veröffentlichten wir zum fünften Mal in Folge eine umfassende Betrachtung des Mobilitätsmarkts im DACH-Raum. Aufbauend auf kontinuierlicher Marktrecherche, über 2.000 Kundenbefragungen sowie zahlreichen Gesprächen mit Branchenexperten zeigt die Studie eindrucksvoll, wie stark sich der Markt in den letzten Jahren verändert hat und welche Entwicklungen ihn bis 2030 prägen werden. Die Ergebnisse unterstreichen die wachsende Bedeutung multimodaler Mobilitätsangebote, die zunehmende Konsolidierung in Micro- und Urban-Mobility-Segmenten sowie die zentrale Rolle integrierter Mobilitätsplattformen. 

Dominanz weniger Anbieter und Stabilisierung der Marktspitzen 

Der Markt für Mobilitätsdienstleistungen wird weiterhin vor allem von deutschen und amerikanischen Anbietern geprägt. Der Wettbewerbsdruck bleibt über alle Segmente hinweg hoch und führt zu einer fortschreitenden Konsolidierung, insbesondere im Bereich der Mikromobilität. In den letzten fünf Jahren haben sich die Spitzenpositionen im E-Scooter- und Bike-Sharing weitgehend stabilisiert: Tier-dott behauptet die Führungsrolle im E-Scooter-Sharing, während nextbike im Bike-Sharing bereits seit mehreren Jahren an der Spitze steht. Im Gegensatz dazu schrumpft das Moped-Sharing weiter deutlich. Viele Anbieter haben sich aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit vollständig aus diesem Segment zurückgezogen. Die Fünfjahresbetrachtung zeigt klar, dass überregional agierende Unternehmen ihre Positionen festigen und lokale Anbieter zunehmend ins Hintertreffen geraten. 

Auch der Markt für urbane Mobilität wächst dynamisch. Im Car-Sharing verbessert Miles seine Platzierung kontinuierlich und erreicht erstmals Platz eins, gefolgt von SHARE NOW und DB Flinkster. Im Ride-Hailing dominieren Uber und FREENOW bereits seit fünf Jahren das Spitzenfeld, während Bolt sich stabil unter den ersten drei Anbietern etabliert.  

MaaS-Plattformen auf dem Vormarsch und neue Rahmenbedingungen 

Ein zentraler Wachstumstreiber der vergangenen Jahre ist die zunehmende Bedeutung von Mobility-as-a-Service. Was einst als Pilotprojekt begann, hat sich heute zu einem festen Bestandteil des Mobilitätsmarkts entwickelt. Die wachsende Tiefenintegration der Systeme – von der Informationsbereitstellung über die Buchung bis zur Bezahlung – schafft ein nahtloses Kundenerlebnis und stärkt die Attraktivität dieser Angebote erheblich. Bolt übernimmt nach der Integration externer Anbieter die Führung im Ranking überregionaler MaaS-Plattformen. Gleichzeitig gewinnen die Plattformen großer deutscher Städte an Sichtbarkeit, allen voran München, Berlin und Frankfurt. Die Kundenbefragung bestätigt diese Entwicklung: Zwei Drittel der Nutzer bevorzugen die Buchung verschiedener Mobilitätsangebote über eine zentrale PlattformEine zusätzliche Dynamik erhält der Markt durch regulatorische Veränderungen. Mit der im Sommer 2025 vorgeschlagenen Novelle der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erhalten Städte und Kommunen erstmals die Möglichkeit, über die Zulässigkeit des Free-Floating-Modells zu entscheiden. Dies könnte zu erheblichen Anpassungen der Geschäftsmodelle führen, etwa durch potenzielle Sondernutzungsgebühren oder notwendige Flottenrestrukturierungen. Während große Anbieter diese Vorgaben flexibel umsetzen können, steigt das Risiko für kleinere Unternehmen, sich vollständig aus bestimmten Städten zurückziehen zu müssen. Die neue Regulierung wird damit voraussichtlich einen nachhaltigen Einfluss auf die Marktstrukturen urbaner Mobilität haben. 

Neue Geschäftsmodelle, Kooperationen und veränderte Nutzungsgewohnheiten 

In den vergangenen fünf Jahren haben Mobilitätsanbieter ihr Portfolio deutlich erweitert und neue Erlösquellen erschlossen. Gleichzeitig steigt die Zahl strategischer Kooperationen – sowohl innerhalb der Mobilitätsbranche als auch branchenübergreifend, etwa zwischen Car-Sharing-Anbietern und Einzelhändlern oder Bike-Sharing-Betreibern und Immobilienunternehmen. Diese Partnerschaften erweitern nicht nur das Leistungsangebot, sondern schaffen Synergien und neue Umsatzpotenziale. Für den Gesamtmarkt gewinnt die Vernetzung von Dienstleistungen zunehmend an strategischer Bedeutung. 

Parallel dazu verändert sich das Mobilitätsverhalten  der Nutzer spürbar. Die Kundenbefragung zeigt, dass 84 Prozent der Befragten mehrere Mobilitätsdienstleistungen nutzen oder Interesse daran haben. Die Nutzungshäufigkeit steigt kontinuierlich, ebenso wie die Wahrnehmung von Sharing-Angeboten als sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Besonders dynamisch entwickelt sich das betriebliche Mobilitätsbudget: Seine hohe Flexibilität macht es für Unternehmen zu einem attraktiven Instrument, um die Mobilität ihrer Mitarbeitenden bedarfsgerecht zu gestalten und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele zu stärken. Seit 2020 ist der Einsatz von Micro- und Urban-Mobility-Lösungen im Arbeitskontext von 14 auf 24 Prozent gestiegen. Innovative Konzepte wie das Telekom Shuttle von ioki verdeutlichen darüber hinaus, wie neue Lösungen Wegeoptimierung, Kosteneffizienz und Mitarbeitenden Komfort verbinden können. 

Fazit 

Die Analyse der vergangenen fünf Jahre zeigt einen Mobilitätsmarkt, der sich trotz intensiven Wettbewerbs klar strukturiert und professionalisiert hat. Wenige große Anbieter dominieren zentrale Segmente, während MaaS-Plattformen den Zugang zu Mobilität vereinfachen und die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel zunehmend selbstverständlich wird. Regulatorische Entwicklungen, Kooperationen und neue Geschäftsmodelle treiben die Transformation weiter voran. Bis 2030 ist mit einer noch stärkeren Integration der Mobilitätsangebote, einer weiteren Konsolidierung sowie einem nachhaltigen Nachfrageanstieg zu rechnen und damit mit vielfältigen Chancen für Anbieter, Städte und Unternehmen, die den Wandel aktiv gestalten. 

Ansprechpartner

Max Köppl

Max Köppl

Herr Köppl ist Partner bei HPP und betreut mit seiner gesammelten Beratererfahrung vorwiegend die Automobilindustrie. Hier hat er sich neben anderen Themen in multiplen Projekten mit dem physischen Retail, Kundenzufriedenheit und den anfallenden Kosten im Retail beschäftigt.
Herr Köppl hat an der Hochschule Hof und der Universität Regensburg studiert. Auch in seiner Freizeit ist er großer Automobilenthusiast und Fußballfan.

Dr. Thorsten Liebehenschel

Dr. Thorsten Liebehenschel

Herr Dr. Liebehenschel ist geschäftsführender Gesellschafter bei HPP. Mit seiner Expertise in der Automobilindustrie verantwortet er Projekte für verschiedene Hersteller und den Automobilhandel in unterschiedlichen Bereichen weltweit. In Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG promovierte er zum Thema „Ökologieorientierte Produkt- und Dienstleistungspolitik in der Automobilindustrie“.
Herr Dr. Liebehenschel hat in Siegen studiert, ist verheiratet, Vater eines Sohnes und leidenschaftlicher Fan der Eintracht.